Abschließende Worte:
Ist Mathematik faschistisch?
Wenn man sieht, welche Rolle Rechenmaschinen, Statistik, Kategorisierung und technische Rationalität in den größten Verbrechen der Moderne gespielt haben, dann ist die Frage jedenfalls nicht absurd. Die Lochkartentechnik von IBM bzw. ihrer deutschen Tochter Dehomag war Teil eines bürokratischen Apparats, der Menschen erfasste, sortierte, klassifizierte und verwaltete. Und genau darin liegt bereits ein Kernproblem: Mathematik erscheint oft als neutrale Sprache, kann aber in der Praxis zur Sprache der Verwaltung des Menschen werden — bis hin zur Verwaltung seines Ausschlusses, seiner Verschleppung, seiner Vernichtung.
Auch die Kybernetik ist nicht vom Himmel gefallen. Sie entstand nicht im luftleeren Raum reiner Erkenntnis, sondern im Kontext von Krieg, Zielerfassung, Steuerung, Prognose und Kontrolle. Die großen evolutionären Sprünge der Mathematik und der mathematisch-technischen Anwendungen landeten immer wieder beim Militär, bei der Optimierung der Herrschaft, bei Logistik, Bombenberechnung, Raketentechnik, Signalverarbeitung, Überwachung und letztlich auch bei der Atombombe. Mathematik war nie nur das stille Reich abstrakter Wahrheit. Sie war fast immer auch Werkzeug von Staat, Militär, Industrie und Macht.
Das bedeutet nicht, dass jede Gleichung faschistisch ist. Aber es bedeutet sehr wohl, dass Mathematik historisch keineswegs unschuldig ist. Sie ist keine Wolke über der Geschichte, sondern tief in Institutionen, Apparate und Machtverhältnisse eingelassen. Wer so tut, als sei Mathematik einfach neutral, blendet aus, dass auch Abstraktion politisch wird, sobald sie Menschen vermisst, normiert, vergleicht und in verwertbare Einheiten zerlegt.
Im Herzen der Mathematik liegt etwas Kategorisches: ein Drang zur Exaktheit, zur Eindeutigkeit, zur Allgemeingültigkeit, zur absoluten Form. Das ist ihre Stärke — und zugleich ihre Gefahr. Denn wo absolute Form zur absoluten Wahrheit erhoben wird, entsteht schnell etwas Elitäres, Autoritäres und Ausschließendes. Mathematik kennt kein Erbarmen, kein „ungefähr menschlich“, kein Mitgefühl. Sie trennt richtig von falsch, gültig von ungültig, beweisbar von unbeweisbar. Diese Nüchternheit ist nicht automatisch Faschismus, aber sie kann mit einer Kälte einhergehen, die sich politisch sehr gut mit autoritären Systemen verträgt.
Dazu kommt die Sprache. Mathematik ist nicht nur Inhalt, sondern auch Syntax, Ritual, Zugangscode. Höhere Mathematik ist für Außenstehende oft so verschlossen wie einst das Latein der Kirche. Wer die Sprache nicht spricht, darf nicht mitreden. Kritik wird dadurch nicht immer argumentativ abgewehrt, sondern oft schon formal ausgeschlossen. Die Formel ersetzt dann das Gespräch, die Notation ersetzt die Erklärung, und das Expertentum ersetzt die Öffentlichkeit. Das Problem ist also nicht nur, was gesagt wird, sondern wer es überhaupt noch verstehen und infrage stellen darf.
An diesem Punkt ist Mathematik nicht einfach Erkenntnis, sondern auch soziale Grenzziehung. Sie produziert Hierarchien zwischen Eingeweihten und Ausgeschlossenen. Und genau darin ähnelt sie religiösen Systemen mehr, als ihre Verteidiger zugeben wollen: Es gibt Dogmen, Priesterklassen, Initiationsriten, Glaubenssätze über Objektivität und ein fast metaphysisches Vertrauen darauf, dass das Formalisierbare wahrer sei als das Erfahrbare. Wer sich der Sprache entzieht, gilt schnell als irrational, ungebildet oder unfähig.
Der Unvollständigkeitssatz von Gödel hat diese religiöse Aura nicht zerstört, sondern nur begrenzt. Er zeigt, dass selbst formale Systeme nicht allmächtig sind, dass sie an innere Grenzen stoßen, dass nicht jede Wahrheit im System beweisbar ist und dass ein System seine eigene Konsistenz nicht einfach aus sich selbst heraus garantieren kann. Das müsste eigentlich Demut lehren. In der Praxis wurde daraus aber selten echte Bescheidenheit. Stattdessen blieb oft der kulturelle Reflex bestehen, Mathematik weiterhin als höchste Instanz der Wahrheit zu behandeln — obwohl selbst sie ihre eigenen Abgründe und Leerstellen mit sich trägt.
Man kann deshalb zugespitzt sagen: Mathematik ist nicht faschistisch, weil 2+2=4 wäre. Mathematik wird dort faschistisch, wo sie in Apparate der Vermessung, Selektion, Steuerung und Entmenschlichung eingespeist wird. Sie wird dort faschistisch, wo das Zählbare mehr gilt als das Erlebbare, wo der Mensch zum Datensatz schrumpft, wo die formale Ordnung über das konkrete Leben triumphiert. Nicht die Zahl an sich ist das Problem, sondern der Kult um ihre vermeintliche Unschuld.
Und dennoch greift selbst das noch zu kurz. Denn die Frage ist nicht nur, wofür Mathematik benutzt wird, sondern welche Denkform sie einübt. Wer die Welt nur noch als berechenbar, modellierbar, optimierbar und steuerbar begreift, übernimmt bereits eine Haltung, die für Herrschaft anfällig ist. Wo nur noch zählt, was sich messen lässt, geht das verloren, was sich nicht sauber in Variablen pressen lässt: Würde, Angst, Ambivalenz, Schmerz, Freiheit, Widerspruch, Geschichte. Gerade darin liegt die politische Gefahr einer mathematisierten Welt. Nicht, dass sie falsch wäre, sondern dass sie alles Nicht-Formalisierbare systematisch an den Rand drängt.
Die eigentliche Kritik lautet also nicht: Mathematik sei „böse“. Die Kritik lautet: Mathematik ist weder unschuldig noch neutral. Sie ist eingebettet in Macht. Sie kann befreien, aber ebenso disziplinieren. Sie kann aufklären, aber auch entmenschlichen. Sie kann Schönheit hervorbringen und zugleich Kälte organisieren. Wer das nicht sieht, verwechselt Abstraktion mit Unschuld.
Vielleicht ist Mathematik deshalb am gefährlichsten dort, wo sie so tut, als habe sie mit Politik nichts zu tun. Gerade in ihrer Nüchternheit kann eine Kälte liegen, die Menschen zu Fällen, Klassen, Wahrscheinlichkeiten und Störgrößen macht. Und genau deshalb ist die Frage „Ist Mathematik faschistisch?“ keine dumme Provokation, sondern ein notwendiger Schock gegen die Legende ihrer Neutralität.
Wenn man bedenkt, das die ersten Rechenmaschinen von IBM beim Holocaust ne wichtige Rolle spielten, ja. Außerdem das worauf die Mathematik rausgelaufen ist, die Kybernetik, hätte es ohne den zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Zumindest wurden alle großen evulutionären Sprünge der Mathematik am Ende vom Militär benutzt, bis hin zur Atombombe.
In Texas sitzt bis heute übrigens ein Harvard Professor für Mathematik im Hochsicherheitsgefängnis und behauptet bis heute unschuldig zu sein.
Im Herzen der Mathematik liegt etwas kategorisches, auf absolute Wahrheit gerichtetes und damit elitäres, autoritäres und absolutistische. Und daran ändert auch der Unvollständigkeitssatz von Gödel nichts. Mathematik ist nicht nur die Syntax, aber selbst die ist ausgrenzend. Ich rede hier nicht von einfacher Mathematik. So wie der Katholizismus durch das predigen auf Latein dem einfachen Menschen verwehrt verstanden zu werden und damit die Kritik im Keim erstickte, so ist die Syntax höherer Mathematik nicht gerade Benutzerfreundlich. Nimmt man den Unvollständigkeitssatz von Gödel, der besagt, dass die ganze Mathematik trotz ihrer inneren Logik, gerade wegen dem Logikkreis an sich mit sich selbst wiederlegt werden kann, so stellt man nüchtern fest, dass die ganze Welt einer scheinbaren Wahrheit glaubt, nur weil wir keine bessere haben. Ja, Mathematik ist Ansichtssache, auch wenn der einfache Mensch das nicht wahrhaben will, weil er gerade so sehr an diese scheinbare Wahrheit konditioniert wurde. Dieser religiöse Charakter der Mathematik ist das Problem.
Ich empfehle dazu in der obigen Doku mal Heinz von Förster zu lauschen, einem der Urväter der Kybernetik. Wer dann noch weiß, was der Kern der Kybernetik ist, kann sich zwei Fragen stellen, 1. „Weiß er eine so unglaubliche ungeheuerliche Wahrheit, dass er entschieden hat diese lieber mit ins Grab zu nehmen?“ oder 2. „Wenn er sagt, ‚Die Wahrheit, wo haben sie denn die?‘, ist er am Ende seiner mathematischen Laufbahn sokratisch zu dem Schluss gekommen, ‚eigentlich weiß ich doch nichts‘?“ Und dann erinnere man sich daran, dass die ganze Welt nach der Pfeife der Mathematik tanzt. Den Rest der Interpretation kommt man selber drauf. Durch eine scheinbare Vereinfachung wird eine Klarheit suggeriert die es faktisch nicht gibt. Höhere Mathematik ist ab einem gewissen Punkt nichts anderes als ein Gedankenspiel dem ohne Grund in totalitärer Manier Wahrheitsgehalt attestiert wird trotz Beweis der Unbewiesenheit. Ich rede nicht vom politischen Zusammenhang des Videos im Eingangspost, sondern von der Mathematik ansich. Und wegen der allgemeinen Gutgläubigkeit ihr gegenüber ist die Gefahr des Missbrauchs immanent und Teil ihrer selbst. Und darin liegt die ganze Krux.

Der Grund war die Formel von Einstein. Ich dachte ich habe die Zeit verstanden und könne Sie auf eine Normalkonstante runter brechen. Ein reiner Wahnwitz.
Denn negative Unendlichkeit ist nicht Null.
Ich würde zwar gerne wieder etwas in der Größenordnung technisches bzw mathematisches machen, aber meine Asoziationsketten sind, als ich damals die Packung Risperdal auf einmal genommen habe und im Koma lag, implodiert. Ich werde leider nie mehr wieder etwas mit meiner ursprünglichen mathematischen Kompetenz anfangen können, da sie komplett weg ist.
Dieses Video habe ich damals in meinem Wahn gemacht…
Es ist nichts lustiges dabei wenn „Genie“ und Wahnsinn nah beieinander liegen…
sondern eine stetige Gefahr zwischen Psychopathie und durch folgendere Desilusion über sich selbst und die Welt ins suizidale abzurutschen.
Ich würde zwar gerne wieder etwas in der Größenordnung technisches bzw mathematisches machen, aber meine Asoziationsketten sind als ich damals die Packung Risperdal auf einmal genommen habe und im Koma lag, implodiert. Ich werde leider nie mehr wieder etwas mit meiner ursprünglichen mathematischen Kompetenz anfangen können, da sie komplett weg ist.
Das ist das einzigste was ich bedauere.
Daran ist wahrlich nichts lustiges.
Das ist die wichtigste Erkenntnis meines Lebens.

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