Morgen bin ich ein Löwe: Wie ich die Schizophrenie besiegte [Taschenbuch]

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Rosenhan-Experiment

Das Experiment mit Pseudopatienten

Hierbei meldeten sich acht unterschiedliche Personen (ein Psychologiestudent, drei Psychologen, ein Psychiater, ein Kinderarzt, ein Maler und eine Hausfrau; drei von ihnen waren Frauen, fünf Männer) bei insgesamt zwölf psychiatrischen Anstalten an und behaupteten bei der Aufnahmeuntersuchung, sie hätten Stimmen gehört, die, soweit man sie verstehen konnte, die Worte „empty“, „hollow“ und „thud“ sagten („empty“ bedeutet „leer“, „hollow“ bedeutet „hohl“ und „thud“ hat viele Bedeutungen: Bums, Plumps, dumpfer Aufschlag, aufprallen, aufschlagen, dröhnen, dumpf aufschlagen. „heart thudding“ bedeutet „mit pochendem Herzen“). Nachdem sie in die jeweilige Klinik aufgenommen worden waren, verhielten sie sich wieder völlig normal. Bei der Anmeldung gaben sie einen falschen Namen und falsche Details über ihre Erwerbstätigkeit an, blieben aber sonst bei der Wahrheit.

Jede der Testpersonen wurde aufgenommen, bei elf Anmeldungen wurde eine Schizophrenie diagnostiziert, bei einer eine manisch-depressive Psychose. Während des Tests wurde keine Testperson vom Personal als gesund erkannt. Da die Testpersonen während des Klinikaufenthalts aber keine Symptome mehr zeigten, wurden sie schließlich nach durchschnittlich 19 Tagen (in einem Fall sogar 52 Tagen) entlassen, allerdings nicht als geheilt, sondern als symptomfrei. Den Testpersonen wurden insgesamt 2100 Tabletten sehr verschiedener Medikamente gegeben, die diese jedoch heimlich nicht einnahmen. Sie protokollierten alle Ereignisse genaustens – erst heimlich und später öffentlich, weil es niemand beachtete. (In den Protokollen der Anstalten wurde diese Tätigkeit normalerweise als pathologisches Schreibverhalten aufgeführt.)

Die anderen Patienten durchschauten dagegen die Täuschung relativ schnell und hielten die Testpersonen für Journalisten oder Professoren. Richtige Gespräche mit dem Personal der Krankenhäuser fanden nicht statt, und die meisten Fragen der Pseudopatienten wurden ignoriert. Ein Beispiel dafür:

Pseudopatient: „Pardon me, Dr. X. Could you tell me when I am eligible for grounds privileges?“ (deutsch: „Entschuldigen Sie, Dr. X. Können Sie mir sagen, wann ich das Ausgangsrecht erhalte?“) Arzt im Vorübergehen, ohne die Frage zu beachten: „Good morning, Dave. How are you today?“ (deutsch: „Guten Morgen, Dave. Wie geht es Ihnen heute?“)
Das Experiment ohne Pseudopatienten

Einem Institut, das nach Bekanntgabe der Ergebnisse des ersten Experiments behauptete, bei ihnen würde so etwas nicht passieren, wurde mitgeteilt, dass Rosenhan innerhalb von drei Monaten einige Pseudopatienten zu ihnen schicken würde und sie daher alle Patienten nach ihrer Wahrscheinlichkeit, Pseudopatienten zu sein, bewerten sollten. Während dieser 3 Monate wurden 193 Patienten aufgenommen, 41 davon wurden für Testpersonen gehalten. Weitere 42 wurden als verdächtig eingestuft, ohne dass Rosenhan tatsächlich Pseudopatienten entsandt hatte.

www.pride-parade.de

http://www.pride-parade.de/

Stell dir vor du steckst in der Krise und als erstes wirst du gefragt, was du brauchst.

Stell dir vor, du wirst unterstützt ohne entmündigt zu werden.

Stell dir vor du zerstörst dein Hamsterrad und knabberst dafür das kapitalistische System an.

Stell dir vor, du darfst Krisen und Beeinträchtigungen haben ohne abgestempelt zu werden, als „krank“, „gestört“ und „unnormal“ und ohne von außen den Stempel einer Diagnose aufgedrückt zu bekommen.

Stell Dir vor, nicht Du und Dein Körper werden als Problem gesehen, – sondern eine Gesellschaft, die Barrieren schafft und Menschen in Krisen bringt.

Trau dich zu träumen, zeig dich, geh auf die Strasse und feier mit uns auf der Mad & Disability Pride!!

Anstatt zu sehen, dass psychische Krisen und körperliche Beeinträchtigungen zum menschlichen Leben gehören, immer eine Gesellschaftlichkeit haben und nicht einfach vom Himmel fallen, werden sie mit Diagnosen etikettiert. Die Einzelnen werden abgewertet, als „krank“, „unfähig“, „nicht funktionstüchtig“. Unsere Gesellschaft versucht die Person zu ändern und nicht das System. Die Macht bleibt bei den „Professionellen“: Sie suchen die Krankheitskategorie für die Person aus. Kataloge wie das ICD und das DSM bieten ihnen dafür immer neue Möglichkeiten. Anstatt einfach da zu sein als Unterstützer_innen – je nach Bedürfnis der Person. Die Verantwortung für körperliche Behinderung und psychische Krisen wird auf die Biologie, auf Körper und Geist verschoben. Psychopharmaka sollen das Problem zudecken, Exoskelette für Querschnittgelähmte, Schienen, immer neue Prothesen sollen Rollifahrer_innen und Gehbehinderte fit machen für eine nicht barrierefreie Umwelt – statt dass endlich die Umwelt barrierefrei wird. Cochlea Implantate sollen Gehörlosigkeit heilen – statt dass taube Menschen als sprachliche Minderheit anerkannt werden und viel mehr Menschen Gebärdensprache lernen. Politiker_innen reden über Inklusion – und geben kein Geld her für Unterstützung und Assistenz, die viele Schüler_innen mit Behinderung in der Schule brauchen. Statt dessen finanzieren sie Forschungen, die das vorgeburtliche Assortieren von möglicherweise behinderten Embryos durch die pränatale Tests immer einfacher machen. Heime heißen jetzt „Einrichtungen für Selbstbestimmtes Leben“ – und funktionieren nach dem selben „Satt- und Sauber“-Prinzip wie schon immer. Gelder für ein wirklich selbstbestimmtes Leben mit Assistenz in der eigenen Wohnung werden gekürzt.

Betroffenheiten sind verschieden und bringen unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen mit sich. Dennoch wollen wir die Abgrenzung von „krank“ und „gesund“, von „normal“ und „unnormal“ hinterfragen, ohne so zu tun, als wären wir alle gleich betroffen. Wir wollen zu mehr Solidarität und Verweigerung im Alltag aufrufen. Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, uns mit unseren Erfahrungen zeigen und das Funktionieren im Hamsterrad des Kapitalistischen Systems hinterfragen -doing madness und doing disability – als gelebter Widerstand, als Kritik des Leistungs- und Funktionszwangs. Als Aufruf zum „sich zeigen“, mit der Behinderung und den eigenen Krisen, zum „so sein dürfen“, gegen das Verstecken, sich nichts ins Private zurückzuziehen. Gegen Stigmatisierungen und Ausgrenzungen.

Bündnis gegen Folter in der Psychiatrie

Quelle

Die unterzeichnenden Organisationen

– haben zur Kenntnis genommen, dass der Sonderberichterstatter über Folter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Juan E Méndez, in der 22. Sitzung des „Human Rights Council“ am 4. März 2013 Zwangsbehandlung in der Psychiatrie zu Folter, bzw. grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung erklärt hat.

– unterstützen die Forderung des Sonderberichterstatters, dass „alle Staaten ein absolutes Verbot aller medizinischen nicht einvernehmlichen bzw. Zwangsbehandlungen von Personen mit Behinderungen verhängen sollten, einschließlich nicht-einvernehmlicher Psychochirurgie, Elektroschocks und Verabreichung bewusstseinsverändernder Drogen, sowohl in lang- wie kurzfristiger Anwendung. Die Verpflichtung, erzwungene psychiatrische Behandlung wegen einer Behinderung zu beenden, ist sofort zu verwirklichen und auch knappe finanzielle Ressourcen können keinen Aufschub der Umsetzung rechtfertigen.“*

Deshalb fordern wir alle Landes- und den Bundesgesetzgeber auf, alle Sondergesetze, die psychiatrische Zwangsbehandlung legalisieren, sofort für ungültig zu erklären.** Nur so kann kurzfristig die Forderung nach einem absoluten Folterverbot in Deutschland verwirklicht werden. „Das Verbot der Folter ist eines der wenigen absoluten und unveräußerlichen Menschenrechte, ein ius cogens, also eine zwingende Norm des internationalen Rechts.“***

Peter Lehmann / Peter Stastny (Hg.) Statt Psychiatrie 2

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